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"Die Frau und ihr köstliches Dreieck"
04.12.2004 - 10:37 von stardust
 Klaus Ender, einst erfolgreichster DDR-Fotograf hat jetzt seine Autobiografie veröffentlicht, nicht ohne atemberaubende Ausblicke auf die "naturbelassene Schönheit" der sozialistischen Frau. Seine Modelle waren athletische Pionierfrauen, blonde Brünhilden oder in Fischernetze verstrickte Nixen.
 Und weil es jenseits von FKK oder künstlerischer Aktfotografie so etwas wie Sex und Erotik bei uns in der DDR offiziell gar nicht gab, hat er immer von der "Frau und ihrem köstlichen Dreieck" gesprochen.
Vielen von euch aus den westlichen Bundesländer wird der Name Klaus Ender nichts sagen.  Uns aber aus den neuen Bundesländern hingegen ist seit langem ein Begriff: Jedesmal, wenn seine Akt-Fotos im "Magazin" oder in im "Eulenspiegel" auf der "Funzel"-Seidete erschienen. stürmten viele von uns die Zeitungskioske und sorgten dafür, daß die Hefte noch am selben ausverkauft waren. Auch in meinem Bad hingen Plakate von ihm.
 Die unter der Überschrift "verlorene Paradiese" angekündigten FKK-Bilderstrecken waren für uns eine willkommene Flucht aus dem grauen DDR-Alltag. Noch heute sind sie ein besonderer Augenschmaus, niemals vulgär, immer in vollendete Bildausschnitte verpackt und immer in schwarzweiß gehalten.

Seine Modelle waren Mädchen, die er auf der Straße oder im Cafe oder am Strand ansprach. Von zehn angesprochenen sagten neun ohne zögern zu. Er suchte stets die Natürlichkeit keine affektierten Berufsmodelle. Ender erklärt, dem die "heutigen Mädchen" überhaupt nicht mehr gefallen: "Rasiert, gepierct, tätowiert - das sind Dinge, die mir wesensfremd sind. Wenn man 20 Jahre lang mit "naturbelassenen" Mädchen gearbeitet hat, gewinnt man dieser Modewelle nichts mehr ab." Viele Männer aus dem westlichen Bundesländern hätten ihm geschrieben und gelobt, daß sich endlich jemand traue, Frauen zu zeigen, die nicht rasiert seien.
 Bei allem Engagement für die natürliche Schönheit der Frau muss Enders sich vorwerfen lassen, einen einigermaßen laxen und von jedem feministischen Ballast befreiten Umgang mit seinen Modellen gehabt zu haben. So wurde das Bild zweier mit dem Rücken aneinander gelehnter, auf einem Felsen sitzender Frauen schon mal unter dem Titel "Buchstütze" veröffentlicht - laut Ender ein ironisches Motiv, das vor allem in der Satirezeitschrift "Eulenspiegel" seinen Platz haben sollte. Auch habe man in der DDR solche Titel nicht hinterfragt, die Wahrnehmung sei eine ganz andere gewesen, erklärt der 65-Jährige.
 Auch bei seinen Landschaftsaufnahmen inszeniert Enders kraftvoll. Iimposanten Einsamkeit norddeutscher Häfen oder sich bedrohlich gen Ostsee neigende Kreidefelsen. Aus nebligen Rügen-Impressionen zaubert er gespenstische Momentaufnahmen von atemberaubender Schönheit. Ebenso filigran wie surreal sind Enders später mit Infrarot-Technik aufgenommenen Landschaftsbilder.
 1939 begann seine Karriere in Berlin mit Aktaufnahmen. Ab Mitte der sechziger Jahre wählte er die Insel Rügen als seinen Arbeitsort. Neben den pathetischen Posen seiner Nacktmodelle hielt auch alltägliche Straßenszenen in der DDR für die Nachwelt fest. Das DDR-Fernsehen drehte 3 Filme über seine Arbeit und von der Regierung wurde er mit Preisen geehrt. Ab 1966 er hielt er das große Privileg als selbständiger Bilderreporter zu arbeiten, was er allerings teuer bezahlte. 15 Jahre lang arbeitete er als IM für die Staatsssicherheit. Ganz offen und kompromißlos spricht Enders in seinem Buch darüber, genauso offen wie über andere persönliche Details. Er spricht darüber, wie er angepinktelt wurde, wie er zweimal miterlebte, wie seine Mutter vergewaltigt wurde, wie er von Flüchtlingsmassen in den Schmutz der Oder getreten wurde, daß seine Verlobte sich das Leben nahm und Sex mit vielen Mädchen hatte.

1981 reist Ender über Österreich in die Bundesrepublik aus. 1996 keherte er nach Rügen zurück.
 Über seine Vergangenheit hinter dem eisernen Vorhang sagt er heute:" In meinen Berichten für die Staatssicherheit habe ich vor allem über SED-Genossen und korrupte Staatsdiener berichtet. Das war meine Rache." und "Auch wenn es ein Widerspruch in sich ist - ich war freier in der DDR. Im Westen wird noch heute jeder FKK-Strand abgeschottet und auf irgendeine Art verwaltet. Wir legten damals mit unseren Sachen einfach alles ab - das wäre im Westen so nicht möglich gewesen."

Und wenn es interessiert, hier sind noch mehr seiner Fotos zu finden: [URL=http://www.ddr-im-www.de/Galerie/Klaus-Ender/FUNZEL/Funzel_12_1969.htm]http://www.ddr-im-www.de[url]
Quelle: http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,,00.html
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